Frankenburg
   
 
 
                                                                                                

 
 
FRANKENBURG

 

Die Frankenburg am Südhang des Kyffhäusergebirges war wohl seit Beginn des Kurbetriebes 1818 ein idyllischer Ort für Einzelgänger und Pärchen, aber auch für Gesellschaften. Von hier aus konnte man mit Abstand und doch aus unmittelbarer Nähe die Stadt und seine Ausdehnung in der Diamantenen Aue sowie die gegenüberliegende Wind- und Hainleite betrachten. Im Vordergrund die großen Gradierwerke, die um 1803 errichtet wurden. Aus der Sicht des Badegastes vom Unteren Bad ein kleines Etablissement in der Nachbarschaft von Hausmannsturm und Oberkirche, das aufgrund seiner Nähe zum Besuch einladete. 

Bereits Johann Wolfgang von Goethes Schwiegertochter Ottilie war aufgrund ihres Aufenthaltes im Juni 1822 von Frankenhausen angetan./1/ Um jene Zeit weilten bereits über 500 Badegäste pro Jahr in der Stadt. Grund genug, um die Frankenburg weiter auszubauen und noch anziehender zu gestalten.

Im Jahre 1900 ließ der damalige Inhaber Rudolf Schröder an das ursprüngliche Gebäude der Frankenburg in Richtung Süden eine Veranda anbauen. Treppenläufe rechts und links des Anbaues wurden vom Landratsamt nicht genehmigt. Nur die linke Treppe sowie Veränderungen des Daches wurden bestätigt. (Abb. 1)

   Abb. 1   Bauzeichnung zum Anbau der Veranda aus dem Jahre 1900 /2/    

Bereits nach etwa einem Jahr folgte die Baumaßnahme des westlich angrenzenden Saales mit mittigem Oberlicht und talwärts offener Veranda. Die Hanglage, der vielgegliederte Bau, die Türme, Zinnen und Bögen erinnern an Burgen am Rhein. (Abb. 2)

   Abb. 2   Bauzeichnung zum Anbau des Saales aus dem Jahre 1901 /3/    

 

   Abb. 3   Farblithografie der Frankenburg nach 1901

Die Naturpromenade, der Garten sowie der Ausschank von erlesenen Obstweinen, machen die Frankenburg zu einem Anziehungspunkt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie als zweistöckiges Lusthaus beschrieben wird.

Im Jahre 1909 wird der vorhandene Bau eben unter dem Restaurantbesitzer Rudolf Schröder um 7,5 m x 13 m erweitert. Der zum Gesamtkomplex dominierende Neubau mit der Giebelwand nach Süden wirkt extrem hoch. (Abb. 4)

   Abb. 4   Bauzeichnung zum Anbau des Ostflügels im Jahre 1909 /4/

Schließlich gelangt, das auch von den Frankenhäusern gern besuchte Restaurant, in den Besitz des Burgwirtes Albert Bartels. Zur Schaffung weiterer Plätze wird 1922 die einst offene Veranda umbaut und in den Restaurantbereich mit integriert. Nach weiteren zwei Jahren erfolgt die Saalvergrößerung um etwa 4 m bergseitig in Richtung Norden./5/ (Abb. 5)

 

Abb. 5   Grundriß mit den  Ausbaustufen

Mit dem Jahr 1938 endete die Burggeschichte als Restaurant.

Die Gesellschaft für Arbeitstechnik kaufte den Komplex mit einigen Nachbargrundstücken zur Eröffnung der Fernschule Bad Frankenhausen. Allen Interessierten sollte durch ein Fernstudium mittels Lehrbriefen eine Ausbildung zuteil werden, welche die Vorbereitung auf ein Ingenieurstudium umfasste. Damit sollte der Mangel an Ingenieuren und Volkswirten beseitigt werden./6/ In den Folgejahren waren bauliche Veränderungen und Erweiterungen der Fachschule vorgesehen. Von der Oberkirchgasse bis zur Frankenburg entlang des Fußweges verlaufende Stadtmauer wurde 1939 instandgesetzt.

Doch nach Kriegsende erhielt die Frankenburg bis 1956 eine neue Bedeutung als Pädagogische Schule für Kindergärtnerinnen. Neben der Oberkirche, dem Hausmannsturm und dem Hedrichheim blieb sie als Wahrzeichen unserer Stadt erhalten. Ab September 1956 erhielten noch Horterzieher eine Ausbildung in der Frankenburg. Selbst diese z.T. als Fernstudium verlaufende Weiterbildung ging im Jahre 1958 zu Ende. Der Gesamtkomplex der Frankenburg wurde als das Haus der Jugend eingerichtet und genutzt. Arbeitsgemeinschaften der unterschiedlichsten Richtungen fanden hier ihr zu Hause.

Da nahezu keine Werterhaltungen durchgeführt wurden, stellten sich Bauschäden ein, die nach 1990 eine Erhaltung in Frage stellten. Ferner musste im Falle eines Neubaus als Hotel eine wirtschaftliche Größe geschaffen werden.

So entstand nach dem Abriß das Viersterne-Hotel Residenz-Frankenburg, welches am 20.06.1995 fertiggestellt wurde. (Abb. 6)

  

   Abb. 6   Hotel Residenz  2003

Das Hotel verfügt über 74 Komfortzimmer, 12 Juniorsuiten und eine luxuriöse Kaisersuite. Die Bar, Restaurant, Tagungsräume, Schwimmbad und Sauna sind Voraussetzungen, sich im Urlaub, zu Tagungen oder auch zu einem Wellness-Wochenende wohl zu fühlen.  

Eckhard Pförtner                                                                                                                                                       Februar 2005

Quellennachweis

/1/   Goethes Familie in Bad Frankenhausen, Leonhard Schrickel, Verlag C. Werneburg, 1930

/2/   Stadtarchiv Bad Frankenhausen, Bauakten des Fürstlich Schwarzburgischen         

       Landratsamtes Frankenhausen 1/ VIII – 40

/3/   Stadtarchiv Bad Frankenhausen, Bauakten des Fürstlich Schwarzburgischen         

       Landratsamtes Frankenhausen 1/ VIII – 44

/4/   Stadtarchiv Bad Frankenhausen, Bauakten des Fürstlich Schwarzburgischen         

       Landratsamtes Frankenhausen 1/ VIII – 57

/5/   Stadtarchiv Bad Frankenhausen, Bauakten des Fürstlich Schwarzburgischen         

       Landratsamtes Frankenhausen 1/ VIII – 65 und 1/VIII – 69

/6/   Geschichte der Stadt Bad Frankenhausen in den Jahren 1910 bis 1939,

       Oberstudiendirektor Fritz Brather, Kreisheimatmuseum IV-6B/5